Zwischen Zinswende und Hormus: Gold und Öl im Fokus

Zwischen Zinswende und Hormus: Gold und Öl im Fokus

(Stand: 28.09.2026)

 

Für viele Privatanleger ist Kaufkraft über Jahre hinweg ein zentrales Thema. Wie schnell sie unter Druck geraten kann, hat sich zuletzt wieder gezeigt. Am Ölmarkt hat sich die Versorgungslage im September erneut verschärft. Mit den höheren Energiepreisen ist auch die Inflation wieder stärker in den Fokus gerückt. Beim Goldpreis schauen die Märkte zugleich genauer auf die Notenbanken und ihre Zinssignale.

Noch im Frühsommer hatten nachlassende Transportsorgen die Ölpreise deutlich sinken lassen. Momentan rückt die Angebotsseite wieder stärker in den Vordergrund. Gold legte im August kräftig zu, verlor im September aber an Schwung. Dazu kommt eine hohe Schlagzahl an Nachrichten. Schon neue Meldungen zu den Gesprächen zwischen den USA und Iran können die Preise in kurzer Zeit merklich bewegen.

 

Rohöl: Die Versorgungslage bleibt angespannt

Der Brent-Future schloss am 15. September bei rund 108,75 USD, dem höchsten Stand seit Mitte Mai. Am 17. September notierte er bei rund 104 USD und damit circa 50 % über dem Vorjahresniveau. Auch am physischen Markt zeigte sich die angespannte Lage. Sofort lieferbares Brent kostete in der Woche bis zum 18. September im Schnitt rund 124 USD je Barrel.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die Wertentwicklung in der Zukunft. Ohne Berücksichtigung von Transaktionskosten und Depotentgelten. Quelle: Eigene Darstellung anhand der Daten der U.S. Energy Information Administration (Europe Brent Spot Price FOB, Wochendurchschnitte), Stand: 18.09.2026. Zeitraumbetrachtung Januar 2025 bis September 2026. Diese Angaben sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung. ** 5-Jahreschart am Artikelende.

Preisdämpfende Impulse kommen derzeit vor allem von Signalen einer möglichen Entspannung. Berichte über einen stufenweisen Plan deuten darauf hin, dass Iran den Schiffsverkehr durch die Meerenge erleichtern und die USA im Gegenzug Beschränkungen lockern könnten. Solche Nachrichten lassen die Risikoprämie am Ölmarkt immer wieder sinken.

Auffällig ist auch der große Abstand zwischen dem Brent-Future und der US-Sorte WTI. Zeitweise lag der WTI-Future mit Fälligkeit November 2026 rund 12 US-Dollar unter dem entsprechenden Brent-Kontrakt, so deutlich wie Anfang Mai nicht mehr. Als ein Grund gelten Spekulationen über mögliche Beschränkungen von US-Dieselexporten. Sie könnten dazu führen, dass mehr Diesel im US-Markt bleibt und Raffinerien dort weniger Rohöl verarbeiten. Hinzu kommen hohe Frachtraten, die US-Exporte verteuern. Der Preisabstand zeigt damit vor allem, wie angespannt die Lage auf dem Weltmarkt derzeit ist. Das ist besonders für Importregionen wie Europa relevant.

Noch deutlicher zeigt die Terminkurve die Lage am Markt. Kurz laufende Kontrakte werden derzeit deutlich teurer gehandelt als Kontrakte mit späterer Fälligkeit. Am 18. September kostete der November-2026-Kontrakt auf Brent 104,32 USD, der Kontrakt mit Lieferung im November 2027 dagegen nur 80,85 USD. Der Abstand von rund 24 USD entspricht knapp einem Viertel des aktuellen Preises. Bis Ende 2030 fällt die Kurve auf rund 69 USD. Man spricht hier von „Backwardation“. Es zeigt, wie hoch der Aufpreis für kurzfristig verfügbares Öl derzeit ist. Spätere Kontrakte spiegeln zugleich die Erwartung wider, dass sich die Versorgungslage mit der Zeit entspannen könnte.

 

Quelle: Eigene Darstellung anhand der Daten der CME Group (Daily Bulletin, Settlement-Preise Brent Last Day Financial und WTI Light Sweet Crude), Stand: 18.09.2026. Zeitraumbetrachtung Oktober 2026 bis Dezember 2030. Diese Angaben sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung. ** 5-Jahreschart am Artikelende.

Die Terminkurve spricht dafür, dass der Markt den jüngsten Preisanstieg nicht als dauerhaft ansieht. Kurzfristig sind die Folgen aber spürbar. Höhere Energiepreise verteuern Heizen, Transport und Produktion und können so den Inflationsdruck erhöhen. Für die Notenbanken macht das die Lage nicht einfacher. Zugleich bleibt das Umfeld sehr beweglich. Eine diplomatische Entspannung könnte die Risikoprämie rasch sinken lassen, neue Angriffe oder Störungen der Versorgung sie aber ebenso schnell wieder steigen lassen.

 

Gold: Zinswende sorgt für Gegenwind

Gold hat ein bewegtes Jahr hinter sich. Ende Januar erreichte der Spotpreis mit rund 5.594 USD je Feinunze ein Rekordhoch, danach folgte eine deutliche Korrektur. Ende Juni fiel Gold zeitweise unter 4.000 USD und notierte auch Mitte Juli nur knapp darüber. Nach einer kräftigen Erholung im August lag das Edelmetall am 24. August bei rund 4.680 USD. Das sind rund 17 % weniger als zum Rekordhoch des 29. Januar. Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein Plus von rund 39 %. Im September gab der Goldpreis dann wieder nach und notierte am 25. September bei rund 4.286 USD. 

Ein wichtiger Belastungsfaktor für Gold dürfte derzeit die Zinsentwicklung in den USA sein. Die Fed hat den Leitzins am 16. September um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Zugleich signalisierte die Notenbank, dass bis zum Jahresende eine weitere Zinserhöhung möglich ist. Belastend wirken zudem die hohen Renditen von US-Staatsanleihen und der feste US-Dollar. Für ein Edelmetall ohne laufende Erträge wird Gold damit weniger attraktiv. Da der Zinsschritt weitgehend erwartet worden war, blieb die Reaktion am Markt jedoch begrenzt.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die Wertentwicklung in der Zukunft. Ohne Berücksichtigung von Transaktionskosten und Depotentgelten. Quelle: LSEG Stand: 25.09.2026. Zeitraumbetrachtung Januar 2025 bis September 2026. Diese Angaben sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung. ** 5-Jahreschart am Artikelende.

Während der Goldpreis zuletzt schwächer tendierte, zeigten die Zuflüsse in goldgedeckte ETFs ein anderes Bild. Nach Abflüssen im späten Frühjahr und Frühsommer kamen im August laut World Gold Council weltweit rund 18 Mrd. USD neu hinzu, der zweitgrößte Monatswert der Geschichte. Besonders stark war die Nachfrage in Europa mit rund 7,9 Mrd. USD oder etwa 54 Tonnen. Nordamerika folgte mit rund 7,7 Mrd. USD beziehungsweise etwa 53 Tonnen. Asien kam auf rund 2 Mrd. USD oder etwa 13 Tonnen. In Summe stiegen die weltweiten ETF-Bestände damit im August um 121 Tonnen auf 4.189 Tonnen und erreichten damit ein Rekordniveau. Als wichtige Treiber nennt der World Gold Council unter anderem Sorgen um die US-Staatsfinanzen sowie Unsicherheit rund um Maßnahmen an den Devisen- und Anleihemärkten.

Quelle: Eigene Darstellung anhand der Daten des World Gold Councils, Stand: 31.08.2026. Zeitraumbetrachtung August 2026.

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5-Jahres-Charts

Quelle: LSEG; Stand: 08.07.2026. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die Wertentwicklung in der Zukunft. Ohne Berücksichtigung von Transaktionskosten und Depotentgelten. (5-Jahres-Entwicklung Silber: 07.07.2021– 08.07.2022: -26,69%; 07.07.2022– 08.07.2023: 29,55%; 07.07.2023– 08.07.2024: 23,77%; 07.07.2024– 08.07.2025: 24,68%; 07.07.2025– 08.07.2026: 55,97%).

 

Quelle: LSEG; Stand: 08.07.2026.Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die Wertentwicklung in der Zukunft. Ohne Berücksichtigung von Transaktionskosten und Depotentgelten. (5-Jahres-Entwicklung Gold: 07.07.2021– 08.07.2022: -3,91%; 07.07.2022– 08.07.2023: 12,96%; 07.07.2023– 08.07.2024: 23,01%; 07.07.2024– 08.07.2025: 39,16%; 07.07.2025– 08.07.2026: 22,79%).

 

Quelle: LSEG; Stand: 08.07.2026. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die Wertentwicklung in der Zukunft. Ohne Berücksichtigung von Transaktionskosten und Depotentgelten. (5-Jahres-Entwicklung Ölpreis (Brent Future): 07.07.2021– 08.07.2022: 32,48%; 07.07.2022– 08.07.2023: -18,29%; 07.07.2023– 08.07.2024: 4,51%; 07.07.2024– 08.07.2025: -17,25%; 07.07.2025– 08.07.2026: 8,03%).

 

Quelle: LSEG; Stand: 08.07.2026. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die Wertentwicklung in der Zukunft. Ohne Berücksichtigung von Transaktionskosten und Depotentgelten. (5-Jahres-Entwicklung Ölpreis (WTI Future): 07.07.2021– 08.07.2022: 29,96%; 07.07.2022– 08.07.2023: -20,16%; 07.07.2023– 08.07.2024: 6,92%; 07.07.2024– 08.07.2025: -16,74%; 07.07.2025– 08.07.2026: 4,32%).

 

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